Anlagetrends – kritisch betrachtet: CROWDFUNDING

  • von Ivana Rosic
  • 05 Mai, 2017
Crowdfunding (auch ‚Schwarmfinanzierung’) ist eine Finanzierungsmethode, welche seit einigen Jahren vermehrt an Bedeutung gewinnt. Die zugrunde liegende Idee ist nicht neu: eine Vielzahl von Personen (sog. Crowd) bündelt ihr Kapital, um dieses für ein näher zu definierendes Vorhaben oder Projekt zur Verfügung zu stellen. Während diese Finanzierung auf der einen Seite beispielsweise einem Start-Up Unternehmen zu Gute kommen soll, erwarten die einzelnen Personen aus der Crowd zuweilen einen Profit in Form einer jährlichen Verzinsung von zumeist 4-8% oder sogar bis zu 12%.

Das Crowdfunding bietet eine Alternative zur Bankenfinanzierung und reiht sich damit von der Grundidee ausgehend in die alternativen Finanzierungsformen wie den Unternehmensbeteiligungsgesellschaften (UBGs) oder sonstigen Kapitalanlagefonds, ein.

Welche Arten des Crowdfundings gibt es?

Das Crowdfunding unterteilt sich in vier Bereiche: Spendenbasiertes Crowdfunding, Gegenleistungsbasiertes Crowdfunding, Kreditbasiertes Crowdfunding, Crowd Investing. Die jeweilige Unterscheidung richtet sich nach den Zielvorstellungen der Crowd, also den Geldgebern. Während beim Spendenbasierten Crowdfunding die Geldgeber keine Gegenleistung erhalten und beim Gegenleistungsbasierten Crowdfunding die Gegenleistung lediglich einen symbolischen Charakter hat, erwarten die Geldgeber des Kreditbasierten Crowdfundings sowie des Crowd Investings zumindest die Rückzahlung ihres eingesetzten Kapitals, bis hin zu einen darüberhinaus gehenden finanziellen Profit.

In welche Vorhaben kann investiert werden?

Bisherige Erfahrungen zeigen, dass das Immobilien Crowd Investing für Geldgeber attraktiv zu sein scheint und stark umworben wird. Ferner werden Crowdfunding Projekte aus den Bereichen Sport, Wissenschaft, Konzert, Umwelt, Journalismus, Spiele, Design, usw. angeboten.

Welche Chancen und Risiken hat das Crowdfunding?

Inwiefern Chancen und Risiken sich realisieren, kann bislang nur erahnt werden. Langfristige und damit verlässliche Erfahrungen gibt es noch nicht. Dies allein ist jedoch bereits unter die Risiken zu verbuchen. Auch ist die zum Teil hohe Verzinsung von bis zu 12% eher für Spekulanten geeignet, als für vorsichtige Kapitalanleger. Die vielfach als Chance bezeichneten kurzen Laufzeiten müssen sich vielmehr an dem zugrunde liegenden jeweiligen Projekt bemessen lassen und können damit unseres Erachtens nach nicht per se als Chance bezeichnet werden. Auch ist nicht ersichtlich, wie sich eine Verzinsung gerade bei einer kurzfristige Kapitalanlage realisieren lässt, während ein Projekt (beispielsweise eine sich im Bau befindliche Immobilie) noch keinen Gewinn generieren kann. Gleiches gilt aufgrund anfänglich fälliger Kosten für Verwaltung, Steuer- und Rechtsberatung, Steuerlasten und ggfs. fälligen Provisionen. Ferner ist fraglich, welche Auswirkungen sich bei mittelfristigen Projekt-bezogenen Kapitalanlagen ergeben, sollte die derzeitige Niedrigzinsphase einem Ende entgegen gehen. Ebenso muss die Exit-strategie in jedem Fall einer separaten Prüfung unterzogen werden.  

Crowdfunding – Grauer Kapitalmarkt?

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (BaFin) macht auf ihrer Internetseite bereits auf die Eigenheiten des Crowdfundings aufmerksam. Demnach werden viele Crowdfunding-Plattformen nicht von der BaFin beaufsichtigt, da sie gezielt so ausgestaltet sind, dass sie keine Erlaubnis benötigen. Solche Plattformen zählen zum Grauen Kapitalmarkt. Zwar bedeutet dies nicht, dass die jeweiligen Plattformen unseriös sind. Allerdings unterliegen diese keiner staatlichen Regulierung oder Kontrolle. Bei diesen Geschäften gibt es weder eine ständige Aufsicht, noch eine Bilanzkontrolle, noch eine Einlagensicherung.

Für jeden Geldgeber bedeutet dies ...

... es ist Vorsicht und eine erhöhte Aufmerksamkeit bei diesen Investments geboten, zumal auch dubiose Anbieter die fehlenden Kontrollen zu ihrem Vorteil ausnutzen könnten und der Geldgeber eines Crowd Investings sich am Ende mit den Folgen eines Spendenbasierten Crowdfundings konfrontiert sehen könnte.

Wir sind als Rechtsanwaltskanzlei auf Crowd-Investments spezialisiert und beraten Sie gerne.
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